Die Sundgaufront 1914-1918
Eine Zeitreise in den großen Krieg. Von Jürgen Ehret, weitergeführt und ergänzt von Gernot Roth.
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Gefangenschaft - Die Odyssee des Josef Zerrle von der 1./LIR Nr. 3

 

Über die Erlebnisse meiner Gefangenschaft in Frankreich und Algier; von Joseph Zerrle, 1./Landwehr-Infanterie Regiment Nr. 3:

"Ich bin am 25. September 1914 auf Patrouille am Schwarzen See bei Urbeis im Elsaβ gefangen genommen worden. Meine anderen Kameraden waren tot und ich wurde in das Forsthaus am Schwarzen See von einem französischen Oberleutnant transportiert. Ich wurde dort verschiedenes gefragt. Man sagte mir zuerst, in Deutschland habe man nichts mehr zu essen, das Brot wird aus Stroh gebacken. Darauf sagte der Kapitän, der noch mit einem Leutnant und noch einem Adjutanten anwesend war, ich muβ ihm auf jede Frage Antwort geben: Sie sind vom 3. bayer. Landw. Inf. Rgt. I. Batl., ihr Oberst heißt Oberstleutnant Jordan und ihr Major heißt von Höβlin.

"Ihr Major gibt jedesmal den Befehl: Gefangene werden keine gemacht! – Stimmt das?" Dann sagte ich "nein, ich habe noch niemals etwas gehört von diesem Befehl". Der Kapitän sagte dann zu mir: "Wenn wir es jetzt mit Ihnen so machen würden?" Er hatte ein Notizbuch neben sich liegen, in das er öfters hineinschaute und das anscheinend von meinem Kameraden Bobinger war, den sie kurze Zeit schwerverwundet eingebracht hatten und der unterdessen gestorben ist. Dann fragte mich der Kapitän: "Wo steht Ihre Artillerie?" Ich sagte dann, "das weiß ich nicht". Dann sagte er: "Das müssen sie wissen!" Da musste ich nun herauslügen und sagte zu ihm, ich war 14 Tage nach Colmar beurlaubt und kam erst diese Nacht um 11 Uhr wieder zur Kompanie, infolgedessen kann ich nichts wissen. Dann sagte er zu mir: "Wir wissen schon wo ihre Artillerie steht. Sie steht da unten links von Urbeis an dem Schloβ, das wir aber schonen müssen, weil es einem höheren Offizier gehört, der in unserer Armee dient."

Dann wurde ich abgeführt in eine alte Hütte, wo ich des Nachts von einem Alpenjäger belästigt wurde. Er wollte mir meine Uhr abnehmen, die ich aber nicht hergab. Den Tag darauf wurde ich mit 2 Alpenjägern weiter transportiert. Dieselben übergaben mich an einer Ferme an 2 Kürassiere, die mich dann weiter nach Hohneck transportierten. Es ging durch einen großen Wald und ich hatte großen Durst. Da kamen wir in der Mitte des Waldes an ein Wasser. Da gab ich dem Reiter hinter mir durch Zeichen zu verstehen, daß ich trinken möchte, der es mir aber abschlug und durch Schimpfen seiner Wut Luft machte, was ich damals aber noch nicht verstand und so ging es los nach Hohneck, wo ich am Eingange dieser Ortschaft von einem französischen Vizefeldwebel in das Gesicht geschlagen wurde, daß ich mich zusammen nehmen musste, um nicht auf den Boden zu fallen. 

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Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Prolog, 19. August 1914

 

1. Teil: Prolog

 

Als sich die Franzosen nach der ersten Eroberung von Mülhausen am 10.08.14 wieder nach Belfort zurück gezogen hatten, rechnete man auf deutscher Seite mit einem weiteren Vorstoß, der auch nicht lange auf sich warten ließ.


Die am 12.08. neu zusammen gestellte „Armée d’Alsace“ (7. Armee) unter General Pau erhielt schon am 14. den Befehl, mit dem rechten Flügel am Rhein-Rhone-Kanal vorzurücken und Mülhausen wieder in Besitz zu nehmen. Danach sollte ein Vorstoß über den Rhein aus dem Hartwald vorbereitet werden. 
So überschritten am 15.08. sechs französische Divisionen die Grenze und erreichten am folgenden Tag die Linie Dammerkirch-Sennheim-Thann. Am 17. traf noch eine Reservedivision von der Alpenfront ein.

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Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Dornach, 19. August 1914

 

2. Teil: Die Brigade Mathy bei Dornach

 

Betrachten wir nun den rechten Flügel mit der Brigade Mathy und die Ereignisse um Mülhausen und Dornach.

Zunächst der ausführliche Bericht von Ltn. Killian:

"Die Brigade Mathy setzte sich zusammen aus: LIR (Landwehr Infanterie Regiment) 40 und LIR 110, der Feldbatterie Heeres (FAR 76), einer schweren Haubitzbatterie unter Hptm. Lenz sowie einer Schwadron Dragoner 14. Man marschierte also am 18.08.1914 wieder „durch den verhassten Hardtwald auf seinen langen, schnurgeraden Schneisen zwischen ausgedörrtem Gestrüpp“ und besetzt am Abend kampflos den Schoffberg nördlich Zimmersheim. Der Befehl der Armeeabteilung Gaede für den folgenden Tag lautete: Vom Schoffenberg nach Mülhausen hinabzusteigen, mitten durch die Stadt zu marschieren und über Dornach – Niedermorschweiler (Anm.: heute: Morschwiller le Bas) nach Heimsbrunn vorzugehen.

Am 19.08. um 6:30h trat die Truppe an. Es ging durch eine Art Hohlweg hinab zur Stadt Mülhausen. Der General lies vor dem Einmarsch in die Stadt die Kinnketten der Helme herunter nehmen und das Bajonett aufpflanzen. Man hatte keine Meldungen über den Gegner. Die ausgesandten Reiterpatrouillen blieben aus, offenbar abgefangen oder zusammen geschossen worden. Die Vorhutkompanie wurde in zwei Kolonnen aufgeteilt, welche rechts und links der Strasse auf den Bürgersteigen durch die Stadt zogen. Die Männer mussten jeweils auf die gegenüber liegenden Fenster achten, denn es wurde damals viel aus Häusern geschossen. Die Spannung wuchs. Man marschierte am Hauptbahnhof vorbei, passierte die Kanalbrücke, dann die großen Hotels und bog schließlich in die Dornacherstrasse ein, jeden Moment auf Überraschungen gefasst. Aber nichts geschah!

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Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Flaxlanden, 19. August 1914

 

Teil 5: Brigade Dame bei Flaxlanden

 

Der mittlere Flügel, die 55. deutsche Ersatzbrigade unter General Dame bestand aus 6 Ersatz-Bataillone (55, 56, 57, 82, 83), dem LIR 119, zwei Schwadronen Kavallerie und 6 Feldbatterien darunter die Landwehr Batterie 66.  

Auf französischer Seite marschierte am 19. August 1914 die 66. Reserve-Division unter dem Kommandeur General Sauzède über Balschweiler, Enschingen, Niederspechbach in Richtung Brunstatt. Die Division bestand aus den Infanteriebrigaden 131 (280, 281 und 296 R.I.) und 132 (213, 215 und 303 R.I.).

Die Brigade Dame hatte den Auftrag, über die Ill in Richtung Galfingen vorzustoßen und dabei die Ill-Übergänge bei Zillisheim und Brunstatt zu besetzen.

Am 18. August 1914 standen die Truppen im Raum um Landser und marschierten am folgenden Tag westwärts. Die verfügbaren Reiter wurden vorgeschickt, um die Brücken bei Zillisheim und Brunstatt rasch in die Hand zu bekommen. Als gegen 8 Uhr morgens französische Schwadronen sich dem Ort Zillisheim näherten, prasselte ihnen gut gezieltes Schützenfeuer entgegen. Unter hohen Verlusten jagten sie zurück. Die Franzosen mussten nun den Weg über Fröningen und Didenheim nehmen, um zum Ill-Übergang bei Brunstatt zu gelangen. Aber auch hier kamen die französischen Schwadronen zu spät. Abgesessene Kavallerie und Infanteristen der rechten Kolonne des Generals Dame hatten sich hinter der Friedhofmauer des Ortes und um einen Hohlweg festgesetzt. Sie ließen die französischen Reiter ruhig herankommen, um sie dann plötzlich mit einem Feuerüberfall zu fassen. In wenigen Sekunden wälzten sich an die 30 Männer und Pferde am Boden, darunter auch der Oberst Touvet.

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Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Tagsdorf, 19. August 1914

 

Teil 7: Zwei weitere Berichte über das Gefecht bei Tagsdorf am 19. August 1914.

 

Der erste Artikel wurde in der "Illustrierte Geschichte des Weltkrieges 1914", Heft 19, veröffentlicht:

"Ein Todesritt afrikanischer Jäger im Oberelsaβ.

Am 20. August (Anm.: Druck- bzw. Schreibfehler. Das Gefecht fand am 19. August statt) kam, so berichtet ein Teilnehmer in der "Frankfurter Zeitung", der Befehl an ein Bataillon eines Landwehrregiments, das sich schon seit Tagen mit den in den Sundgau vordringenden Franzosen schlug, gegen Tagsdorf vorzugehen. Während einiger Tage versuchten zwei französische Armeekorps gegen Mülhausen vorzudringen. Diesen starken Kräften standen nur geringe deutsche Landwehrtruppen auf der linken Rheinseite gegenüber. Die Verteidigung muβte zudem noch auf die unglaublich lange Front von Pfirt (am Südende des Elsaβ) bis Mülhausen verteilt werden. Wie über alles Erwarten gut sich diese alten Soldaten geschlagen haben, wurde bereits berichtet, auch daβ sie ihre Aufgabe glänzend gelöst haben.

Weiterlesen: Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Tagsdorf, 19. August 1914

Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Brigade von Bodungen bei Tagsdorf, 19. August 1914

 

Teil 8: Brigade von Bodungen

 

Die Brigade v. Bodungen, benannt nach Generalleutnant von Bodungen, Kommandant der Oberrheinbefestigungen, war deutlich schwächer besetzt als die Nachbarbrigaden Dame und Mathy. Sie bestand aus dem Landwehr-Infanterie-Regiment (L.I.R.) 109, vier Eskadron Dragoner 25, ein Zug Festungs- M.G., sowie einer Feld- und einer Haubitz- Batterie der I. Ersatzabteilung des Feld-Artillerie-Regimentes (F.A.R.) 67. Das I. Bataillon L.I.R. 109 wurde in Konstanz, das II. und III. in Lörrach mobilisiert. 

Auf französischer Seite wurde nach der  ersten Schlacht bei Mülhausen schon am 10. August 1914 ein neuer Verband, die Armée d’Alsace unter dem Kommando von General Pau, aufgestellt. Diese Armee bildete die südliche Kampftruppe des französischen Heeres, deren Aufgabe der Angriff auf die in Elsass-Lothringen stehenden deutschen Kräfte war. 

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Minenwerfer

 

Die ersten einfachen Minenwerfer wurden im russisch-japanischen Krieg 1904 verwendet. In Deutschland wurden die ersten Werfer ab 1907 entwickelt. Man ging dazu über. die bisher übliche Art der Bekämpfung von Hindernissen, Blockhäuser oder Grabenwehren durch gestreckte oder geballte Sprengladungen bzw. Wurfladungen und das indirekte Schießen mit der Feldartillerie (Ricochettschießen) durch Steilfeuer aus speziellen Geschützen zu ersetzen. 

Der schwere Minenwerfer war 1911 fertig konstruiert. Versuche mit der neuen Waffe wurden von den Festungs-Pionier-Regimenter durchgeführt. Beim Garde-Pionier-Bataillon war eigens eine Pionier-Versuchskompanie aufgestellt. Im August 1913 fand bei Ulm ein geheimes Versuchsschieβen mit Minenwerfern auf dem Truppenübungsplatz Münsingen statt. Schwere Minenwerfer sind zum  erstenmal im August 1914 zur Einnahme des Forts Fléron bei Lüttich eingesetzt worden. Die Wirkung soll so verheerend gewesen sein, daβ man dieses Gerät auch beim Angriff auf andere belgische und französische feste Anlagen und Feldbefestigungen anwandte.

Bei Kriegsbeginn im August 1914 standen 70 s.M.W.1 zur Verfügung. Bei Kriegsende waren der Bestand auf 1'200 schwere, 2'400 mittlere und 12'400 leichte, sowie 700 Flügel-Minenwerfer angewachsen. Nach dem Krieg mussten 31'470 Minenwerfer und Rohre sowie 4'390 Minenwerfer-Lafetten vernichtet werden.

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Das Hospital Hasenrain in Mülhausen, August 1914

 

Das Hospital Hasenrain in Mülhausen 1914 - Aus dem Kriegstagebuch des Johannes Krafft.

Wie schon aus dem Bericht Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Dornach, 19. August 1914 bekannt, wurde Krafft bei der Zweiten Schlacht von Mülhausen bei Dornach verwundet und kam in das Hospital Hasenrain. Das Krankenhaus existiert auch heute noch. Wir wollen hier einen Teil des Tagebuches wiedergeben, damit dieser alte Text nicht verloren geht und in Vergessenheit gerät. 

Nach seiner Ankunft im Hospital wurde Krafft ärztlich untersucht, ausgekleidet und bekam ein Vollbad.

"Wie das gut tat nach dem Gefecht, nach der Nacht auf Vorpostendienst, nach den vielen Marschtagen durch Sonne und Staub, Regen und Dreck. Nach einer halben Stunde schon lag ich in meinem Bett. Trinken, trinken, trinken! Das war das Einzige, was wir nun alle wollten. Erstaunt kosteten wir ein mit Orangensaft durchsetztes Mineralwasser, und schlürften es mit vollen Zügen. Dann bekamen wir sogar Milch! Sonderbar! Seit Wochen hatten wir ja keinen Tropfen Milch zu sehen bekommen. Wie hinter einem dichten Flor sah ich freundlich lächelnde Schwestern mit mächtigen weißen Schürzen und hohen weißen Hauben. Dann bin ich eingeschlafen.
Heute habe ich schon viel zu viel geschrieben. Das geht so langsam und ist so schwer. Die wuchtigen Eindrücke sind noch so unverarbeitet. Ich bin aber furchtbar müde. Und wenn die Schwester Marie-Ernestine heute auch wieder nicht zufrieden mit mir sein wird, ich kann von den guten Sachen, die sie gebracht hat, nichts mehr essen. Ich bin zu müde.

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Altkirch, ein Stimmungsbild, Herbst 1914

 

Wie es zu jener Zeit im Herbst 1914 im Sundgau aussah, beschreibt der Autor der Regimentsgeschichte des Landwehr-Feldartillerie-Regiments Nr. 8:

„Es ist kaum glaublich. Ich stehe hier unter den prangenden Kastanienbäumen, und blicke über das wellige Land. Unter mir, fast unmittelbar vor der Stadt, liegen unsere Stellungen. Deutlich unterscheidet man ihre Linien, und noch ein wenig weiter westlich, dort drüben am Waldrand, liegen die ersten Schützengräben der Franzosen, mit bloßem Auge erkennbar. An dem Waldhaus, in dem einer ihrer vorgeschobenen Posten sitzt, kann das Auge den Umriss von Dach, Fenstern und Tür genau verfolgen. Aber nichts regt sich. Kein Schuss ertönt. Tiefster Friede scheint ringsum gebreitet. Die Hügel und Felder leuchten im kühlen Glanz der Frühherbstsonne. Was hat das zu bedeuten? Was will die unheimliche Ruhe? Der Franzose schießt nicht nach Altkirch hinein. Er weiß warum (...). Sie wissen genau, dass eine Beschießung von Altkirch sofort die Folge nach sich zöge, dass unsere Batterien ihren Stützpunkt Dammerkirch vornehmen würden, der nur wenige Kilometer westlich liegt. Und so bleibt alles still.

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Kriegsgräber, November 1914


Kloster Ölenberg, Reiningue - Abbaye d‘Oelenberg
(aus den persönlichen Aufzeichnungen eines Kriegsteilnehmers):

"Es war im November 1914, als wir auf dem Marsch von Mülhausen nach Burzweiler die ersten langen Massengräber sahen. Der Herbst hatte seine Harfe schon sehr ernst gestimmt. Von den Vogesen pfiff ein rauer Wind. Die Vögel in den Büschen wollten nicht mehr singen. Und wir lasen auf einem schmucken Schild, von Astern in allen Farben umgeben: „Hier ruhen 46 Franzosen und 4 Deutsche.“ Nicht weit davon lag die Ruhestätte eines Dragoners. Kameraden hatten am oberen Ende des Grabes die Lanze des Gefallenen aufgepflanzt und einen Blumenstrauß daran gehängt.

Auch bei dem Dorf Reiningen, das in den Augusttagen 1914 besonders heftige Artilleriekämpfe durchgemacht hat, sahen wir Massengräber, die stillen Gärten gleichen. Und wie feierlich rauschten die alten Bäume über dem kleinen Friedhof des Klosters Ölenberg, wo deutsche Soldaten unter schlichten Holzkreuzen neben den Trappistenbrüdern ruhen. Das Kloster selbst war damals von den Franzosen noch nicht unter Feuer genommen worden. War es die Ehrfurcht vor der fast tausendjährigen Geschichte des Klosters, oder wollten die Franzosen den Wohlstand der Anlage schonen, weil sie hofften, ihr bald einen französischen Supérieur als Leiter bestellen zu können? (...)

Lange hat Ölenberg sich des Friedens allerdings nicht erfreuen dürfen. Heute schauen des Himmels Wolken durch das zerschossene Dach in die verlassenen Räume des Klosters. Die Mauern der Wohn- und Schlafsäle klaffen weit, auf dem Altar der neuen Kirche liegt der Schutt des kunstvollen Gewölbes, das ihn schützte, und die Orgel ist von einer schweren Granate in einen großen Haufen gespaltenen Holzes verwandelt. Brandbomben haben viele wertvolle Schätze der Bücherei vernichtet, bevor sie in Sicherheit gebracht werden konnten; und die Holzkreuze auf dem Friedhof wurden von den stürzenden Steinen erdrückt.

Nun gleicht das Kloster einem Trümmerfeld, und seine Mauerreste ragen in die Luft gleich stummen Anklagen wider solche Freveltat. Die toten Helden aber ruhen still in ihrer Gruft."

Um die Berge im Sundgau – Gipfelkämpfe in den Vogesen, 25./26. Februar 1915

 

Um die Berge im Sundgau – Gipfelkämpfe in den Vogesen. Aus dem Tagebuch eines Esslinger Landwehrmanns vom 25. /26. Februar 1915

Dieser Tagebuchauszug wurde am 30.Maerz 1915 durch die Esslinger Zeitung veröffentlicht. Der Bericht trägt den Stempel der Redaktion der Esslinger Zeitung und einen Stempel „Genehmigt Stv. Gen. Kom. XIII“. Die zensierten Wörter und Satzteile werden wir entsprechend durchgestrichen wiedergeben:

„Droben in N.W. hatte das ehrgeizige, mörderische Anrennen der künstlich erhitzten französischen Kolonnen gegen unsere Stellungen begonnen. Wie an scharfen Klippen zerschellten die Wogen, stürzten zurück, brandeten weiter der stählernen Küste entlang, die Aisne – Maas – Mosel hin und schlugen von den Weihnachtsfeiertagen an für Wochen mit tosendem Lärm an unserer festen letzten Flankenwacht um Thann – Sennheim – Altkirch und Dammerkirch empor.

Weithin stand in jenen Wochen der Sundgau unter Wasser und man mochte kaum glauben, dass in dem klebrigen Morast bis in neblige Ferne hin viele Tausende Brüder hausten in wassergefüllten, triefenden Gräben, dass in den öden Forsten und Brüchen draußen unsere Pioniere und Artilleristen die Feuerschlünde hatten einbauen können, die täglich einem starken Feind in vorzüglicher Höhenstellung grimme Wunden schlugen.

Weiterlesen: Um die Berge im Sundgau – Gipfelkämpfe in den Vogesen, 25./26. Februar 1915

  1. Der Minentrichter von Ammerzweiler, 15. Juli 1915
  2. Als Elsässer an der Heimatfront: auf Posten vor Ober-Sept, 1915
  3. Die Front zwischen Altkirch und Niederburnhaupt, Januar 1916
  4. Sturmangriff auf das Schönholz - Februar 1916
  5. Enschingen – Brünighofen und der Stoßtrupp gegen die Schleuse 27, 9. November 1916
  6. Die Stellung bei Altkirch, März 1917
  7. Patrouille bei Niederburnhaupt, 17. April 1917
  8. Das Stellungssystem um Carspach, eine Beschreibung, Sommer 1917
  9. Schönholz: der französische Gegenangriff, 06./07. November 1917
  10. Im Ruhelager um Mülhausen, Februar 1918

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