Französischer Text hier: L’ «Entonnoir de mine» d’Ammertzwiller

Zwischen der heutigen D 103 und dem westlichen Dorfrand verlief damals die Front. Das "Vorwerk Sautter" schob sich bis ca. 60m an die erste französische Linie heran. Die Deutschen gruben einen Tunnel in Richtung der französischen Stellung und füllten das Tunnelende mit mehreren Zentner Sprengstoff.
Am 15. Juli 1915 um 21:05h wurde diese Minenkammer gesprengt und ein Sturmangriff begann. Die Sprengung riss ein Loch von ca. 50 m Durchmesser und 16 m Tiefe. Erst bei Tagesanbruch wurde bemerkt, dass der Sprengtrichter nicht "IN" sondern 20 m vor der französischen Stellung lag.
Der Sprengtrichter ist heute ein privater Gartenteich, die Straße heißt "Rue du 11. Juillet 1915" und vor dem Teich steht ein kleines Denkmal mit einer Flügelmine.

Über dieses miβglückte Unternehmen sind noch schriftliche Aufzeichnungen vorhanden, die wir nachfolgend wiedergeben wollen.
Zunächst der Bericht von Leutnant Killian, Führer der Minenwerfer-Kompanie 312. Auszug aus seinem Buch „Totentanz auf dem Hartmannsweiler Kopf“:
"(...) Man hat ein Unternehmen bei Ammerzweiler (Anm.: heute Ammerzwiller) vor. Der Franzose hat sich nämlich aus dem Gildweiler-Wald (Anm.: heute Gildwiller) gegen Ammerzweiler vorgearbeitet und dicht vor unseren Stellungen starke, unangenehme Stützpunkte gebaut. Man will die französischen Befestigungen an der Straβengabel Niederburnhaupt (Anm.: heute Burnhaupt-le-Bas) - Ammerzweiler - Gildweiler wegnehmen, weil man glaubt, es handle sich um ein isoliertes französisches Vorwerk. Wie man trotz Fliegeraufnahmen zu dieser Annahme kam, ist mir nie klar geworden.
Weiterlesen: Der Minentrichter von Ammerzweiler, 15. Juli 1915
Als Elsässer an der Heimatfront oder: Auf Posten vor Ober-Sept
Schilderung einer Episode an der Sundgaufront durch einen Regiments-Kommandeur:
"(...) aber in der eigenen Heimat Krieg zu führen, ging über ihr Wollen und Können. Da diese Frage im Verlauf meiner Schilderungen noch öfters erwähnt werden wird, möchte ich einen Vorfall vorwegnehmen, der deutlich zeigt, in welch seelische Konflikte diese aus dem Sundgau stammenden Elsässer verwickelt wurden:
Es war 1915 im Stellungskrieg. Das Regiment lag dicht vor der französischen Grenze, die es nicht mehr hatte erreichen können, in der Linie östlich Largitzen bis zum vorspringenden „Schweizer Zipfel“, in einer Ausdehnung von über 10 km, ohne jede Reserve dahinter, fest. Die Franzosen gegenüber auf der westlichen Seite des Larg-Tales, hauptsächlich in Ober-Sept, das wir anfangs Oktober 1914 genommen, aber infolge unserer nummerischen Schwäche nicht halten konnten.
Bei meinem täglichen Abgehen der Schützengräben des Regiments traf ich nun einmal diesem Dorfe gegenüber einen Posten, der anstatt vorschriftsmäßig zu melden, tiefsinnig vor sich hin starrte. Ich weckte ihn aus seinen Träumen durch einen scharfen Hinweis auf seine Pflichten, merkte aber bald, dass mit dem Mann irgendetwas besonderes los war.
Nein, krank sei er nicht, erwiderte er auf meine Frage, auch habe er über nichts zu klagen. Nur Heimweh habe er, gab er zu. Das haben wir schließlich alle, bedeutete ich ihm, und frug dann weiter, ob er verheiratet sei und Kinder habe. Auch das stimmte, aber als ich wissen wollte, wo seine Familie lebe, da deutete er auf Ober-Sept und sagte mit tränenerstickter Stimme: „Da drüben, Herr Oberst!“
Beschreibung dieses Frontabschnittes wie er sich 1916 darstellte. Auszüge aus der Regimentsgeschichte des württembergischen Landwehr Infanterie Regiments 126:
(Beitrag auf französisch: Die Front zwischen Altkirch und Niederburnhaupt, Januar 1916 (FR))
Am 3. Januar 1916 wurde die 52. Landwehr-Infanterie-Brigade in ihren bisherigen Stellungen bei Sennheim abgelöst und einige Kilometer weiter südlich am Rhein-Rhone-Kanal eingesetzt. Das Landwehr-Infanterie-Regiments 126 (L.I.R.126) setzte sich aus 3 Bataillonen und einem MG-Zug zusammen und zählte 69 Offiziere, 258 Unteroffiziere, 2656 Mann und 183 Pferde. Ein Bataillon hielt den Abschnitt von Höhe 293 bis zum Kanal besetzt, ein zweites Bataillon kam in die Stellungen südlich des Kanals bis zum Hasselbächle bei Aspach. Der Bataillons- und der Regimentsstab kamen ins Schloss Heidweile. Das dritte Bataillon war in Ruhe in den Ortsunterkünften in Brunstatt, Didenheim, Hochstatt und Zillisheim untergebracht, war aber auch zugleich die Brigadereserve. Nördlich neben dem L.I.R.126 stand das L.I.R.123, südlich war das L.I.R.121. Der Stab der Brigade bezog in Tagolsheim Quartier.
Die an der Front gelegenen Dörfer Enschingen, Brünighofen, Spechbach und Heidweiler wurden Anfang Januar von ihren letzten Bewohnern geräumt, zum größten Teil war dies schon früher geschehen.
Weiterlesen: Die Front zwischen Altkirch und Niederburnhaupt, Januar 1916
1. Die Vorbereitungen
Vorbereitung zum Sturm auf das Schönholz am 22. Februar 1916
Das Schönholz, südlich Enschingen-Brünighofen (heute St. Bernard) am Rhein-Rhone Kanal gelegen, war einer der Brennpunkte an der Front im Sundgau. Mit einer markanten Haarnadelkurve trennte die Straße, die von Niederspechbach nach Aspach führt, die Kontrahenten. Zwischen den Waldrändern, hinter denen sich die Gegner verschanzt hatten, lag ein Streifen Ödland, welcher nach Westen anstieg. Somit lag das Schönholz etwas erhöht und beherrschte das Largtal.
Die Wiese vor dem Schönholz damals und heute:

Da die erhöhte Lage Vorteile bot, wurde die Wegnahme der im Schönholz nach Osten vorspringenden Kuppe geplant.
Enschingen - Brünighofen
Die zwei kleinen Dörfer Enschingen und Brünighofen bilden heute die Ortschaft Saint-Bernard. Die vorderste deutsche Linie zog sich südlich der Ortschaften hin, die erste französische Linie folgte in diesem Bereich dem südlichen Kanalufer. Dazwischen im Niemandsland als natürliches Hindernis das Flüsschen Larg, umgeben von feuchten, teils sumpfigen Wiesen. Einige Ereignisse welche sich hier abspielten, wollen wir auf diesen Seiten wiedergeben. Von einem Regiment, das im Frühjahr 1915 aus den Vogesen in den Sundgau verlegt wurde, erfahren wir:

"Von den Hochvogesen in den Sundgau, vom hochgipfligen Gebirge in die leicht gewellte, flache Ebene, vom Wald in das freie Land: ein gewaltiger Gegensatz! Jedem Soldaten kam er deutlich zum Bewusstsein, als am 5. März sich die Nebel über der neuen Stellung hoben, in die man in tiefer Nacht eingerückt war. Da gab es fast keinen durch Berg und Wald gedeckten Anmarsch mehr zu der ersten Linie; denn weithin lagen flache Kornäcker, von Bäumen dünnbesäte Wiesen, leichtes Buschwerk, sanfte Bachmulden dem Auge des Feindes offen da. Nur die reichen Bauerndörfer, von einem Kranz von fruchtbaren Obstgärten malerisch umgeben, Niederburnhaupt (Anm.: heute Burnhaupt-le-Bas) am rechten, Enschingen, Brünighofen, Ober- und Niederspechbach (Anm.: heute Spechbach-le-Bas) am linken Flügel, Ammerzweiler (Anm.: heute Ammerzwiller) und Bernweiler in der Mitte, gewährten mit ihrer geschlossenen Bauart einige Deckung gegen Sicht.
Weiterlesen: Enschingen – Brünighofen und der Stoßtrupp gegen die Schleuse 27, 9. November 1916
Bericht eines Offiziers des Infanterie Regiments 470 über den Sundgau und die Stellungen um Altkirch.
"Das Regiment wurde erst im Januar 1917 aufgestellt und einige Wochen auf dem Truppenübungsplatz Heuberg bei Stetten am kalten Markt ausgebildet. Mit der 240. Infanterie Division kam das Regiment am 29. März 1917 in den Sundgau.

Es hatte eine Verpflegungsstärke von 75 Offizieren, 2932 Unteroffiziere und Mannschaften und 254 Pferde. Die Transportzüge fuhren über Offenburg, Freiburg, Neuenburg bis nach Habsheim. Bei „prächtigem Regenwetter“, wie ein Teilnehmer schrieb, marschierte das I. Bataillon in die Hügelkette des Sundgaus hinein und erreichte über Landser mit der 1. Kompanie Emlingen, mit der 2. und dem Stab Tagsdorf, mit der 3. Heiweiler und mit der 4. Wahlbach. Vom Einmarsch in Emlingen schrieb einer ins Tagebuch: „Durch und durch nass“. Hier wurde enges Quartier bezogen und zum ersten Male feldmäßige Verpflegung an der Feldküche gefaβt. Die Bagagen bezogen Unterkünfte in Emlingen und Wittersdorf. Am Abend des 30. März rückten die Infanterie Kompanien nordwestlich von Altkirch in die Stellungen der 169er ein.
Frühjahr 1917. Das Regiment lag im Divisionsverband im Oberelsaβ, um angeblich zu erwartende feindliche Großangriffe aus der „Burgundischen Pforte“ heraus abzuwehren. Die Stellung verlief von Norden nach Süd-Südosten westlich der Dörfer Ober- und Niederburnhaupt. Wir hatten württembergische Landwehr abgelöst, die an der verhältnismäßig ruhigen Front seit Ende 1914 einen fast behaglich zu nennenden Krieg geführt hatte. Wie wohl fühlten wir uns in den behaglichen und geräumigen, mit Mobiliar aus den umliegenden verlassenen Gehöften wohnlich eingerichteten Beton-Unterständen! Hatten wir doch die grausige Sommeschlacht und einen mehrwöchentlichen Einsatz in der Woëvre-Ebene mit ihren nassen, dumpfen Unterständen eben erst hinter uns.
Schon nach einigen Tagen kam von der Heeresgruppe Herzog Albrecht, der Befehl, daß die neu eingesetzten Regimenter mit allen Mitteln und sobald wie irgend möglich Gefangene einzubringen hätten, um Aufschluss über die Absichten des Feindes gewinnen zu können.
Stellungsbeschreibung der Region um Carspach und zwei persönliche Berichte von Offizieren des Infanterie Regiments 470. Das Regiment lag im Sommer 1917 in den Stellungen um Altkirch und Carspach.
Teil 1: Auszug aus der Regimentsgeschichte des Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 81 (L.I.R. 81):
Das Regiment war vom November 1917 bis zum Kriegsende im Sundgau um Altkirch im Einsatz. Der Bericht beschreibt die Stellung in und um Carspach. So erfahren wir, daβ man die Nase (Stellungsteil westlich von Carspach) bei Carspach zunächst aufgegeben und die betonierten Unterstände gesprengt hatte, um bald danach dort wieder neue Beton- Unterstände zu bauen.
Von einem französischen Angriff mit schweren Minenwerfern mit einem Durchmesser von 24 cm, welche hinter dem "Erdwerk" eingebaut waren, lesen wir:
"(...) Der Westrand des Dorfes litt stark. Die Betonklötze wurden von den in der Nähe einschlagenden Minen derart erschüttert, daβ die darin Schutz suchenden Leute durch die Erdstöβe gegen die Decke geschleudert wurden. Deshalb nannte man die schwankenden Hohlwürfel "Schiffschaukeln". Einer derselben wurde wie eine Pappschachtel in einen Minentrichter geworfen. Wo die Flügelgeschosse niederfielen, schützte kein Menschenwerk vor ihnen."

In und um Carspach waren 47 Maschinengewehre in Stellung. Minenwerfer waren in acht Gruppen zusammen gefasst. Die MW-Gruppen "Aspach", "Fülleren", "Carspach" und "Sonnenberg" befanden sich verteilt im Dorf. Am und auf dem Illberg befanden sich die MW-Gruppen "Illberg Nord", "Illberg Mitte", "Illberg West" und "Illberg Süd". Zur Dorfverteidigung wurden die Brücken über den Dorfbach abgebrochen und zwei Tanksperren installiert. Wir erfahren hier auch, wo sich das in den anderen Berichten mehrfach erwähnte "Erdwerk" befand:
Weiterlesen: Das Stellungssystem um Carspach, eine Beschreibung, Sommer 1917
Französischer Angriff am 6. und 7. November 1917
Unvergesslich war der Sturm auf das Schönholz im Februar 1916 durch das Landwehr Infanterie Regiment 126 (siehe Sturmangriff auf das Schönholz - Februar 1916 und Oberstleutnant Emil Ströhlin und der Sturmangriff auf das Schönholz, Februar 1916),
Das Unternehmen brachte die Herrschaft über die Kuppe und einen Raumgewinn von etwa 600 Meter. Noch in der selben Nacht versuchten die Franzosen mehrmals die Kuppe zurück zugewinnen, was jedoch nicht gelang. In der Folgezeit wurde die neu gewonnene Stellung verstärkt ausgebaut. Ein weiterer ernsthafter Versuch der Franzosen fand erst wieder am 22.12.1916 statt. Nachmittags wurde die Kuppenstellung westlich der Straßenkehre lebhaft und andauernd mit schweren Granaten und Minen beschossen. Um 5h abends erfolgte dann ein Infanterieangriff, der aber abgewiesen wurde. Mehrere Männer vom L.I.R. 126 wurden dabei verschüttet und konnten erst am nächsten Tag unverletzt ausgegraben werden.
Weiterlesen: Schönholz: der französische Gegenangriff, 06./07. November 1917
Ruhetage in der Ortsunterkunft
Februar 1918. Eine Division wird abgelöst und kommt als Reserve in Ortsunterkunft um Mülhausen.Die Ruhelager befanden sich bei Mülhausen, Sausheim, Illzach, Kingersheim, Lager Zurenwald, Zillisheim, Brubach, Brunstatt, Oberenzen, Munweiler, Bilzheim und Hartwaldlager.
Dass „Ruhe“ nicht die Abwesenheit von Mühsal und Drill bedeutete, schildert ein Leutnant eindrücklich wie folgt:
„Angeblich lagen wir in Ruhe. Ruhe? Zumindest ein zweifelhafter Begriff! Sehr bald gelangt jeder zu der Einsicht, dass das Dasein in den herrlichen, elsässischen Stellungen ein ruhigeres war, als jetzt im tiefsten Frieden der Etappe. Noch nie seit dem Einsatz des Regiments bei Kriegsbeginn wurde uns so verdeutlicht, dass wir nicht „alte Krieger“ – wie jeder gern glaubte – sondern Soldaten im Friedenssinn waren.
Der Kilianstollen bei Carspach
Zahlreiche Stollen durchzogen den gesamten Frontbereich, um der kämpfenden Truppe im Graben Schutz, Ruhemöglichkeiten und Vorratslager zu schaffen. Die Sicherheit dieser Erdbauwerke war nur relativ, wie das Beispiel des Kilianstollen bei Carspach zeigt. Hier wurde am 18. März 1918 durch Volltreffer der Stollen eingedrückt und ein Teil der deutschen Besatzung kam ums Leben. Nur ein Teil der Gefallenen konnte damals geborgen werden.
2011 wurde in einer großen archäologischen Grabung die Reste des Stollens freigelegt und ein kleiner Blick in einen dramatischen und tragischen Moment des Jahres 1918 wieder ans Tageslicht geholt werden.
Es handelt sich hier um eine Übersicht. Eine chronologische Dokumentation der Ausgrabung finden Sie hier (Aspach - Kilianstollen: Dokumentation einer Ausgrabung)
Weiterlesen: Der Kilianstollen bei Carspach, 18. März 1918