1. Teil: Prolog
Als sich die Franzosen nach der ersten Eroberung von Mülhausen am 10.08.14 wieder nach Belfort zurück gezogen hatten, rechnete man auf deutscher Seite mit einem weiteren Vorstoß, der auch nicht lange auf sich warten ließ.
Die am 12.08. neu zusammen gestellte „Armée d’Alsace“ (7. Armee) unter General Pau erhielt schon am 14. den Befehl, mit dem rechten Flügel am Rhein-Rhone-Kanal vorzurücken und Mülhausen wieder in Besitz zu nehmen. Danach sollte ein Vorstoß über den Rhein aus dem Hartwald vorbereitet werden.
So überschritten am 15.08. sechs französische Divisionen die Grenze und erreichten am folgenden Tag die Linie Dammerkirch-Sennheim-Thann. Am 17. traf noch eine Reservedivision von der Alpenfront ein.
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2. Teil: Die Brigade Mathy bei Dornach
Betrachten wir nun den rechten Flügel mit der Brigade Mathy und die Ereignisse um Mülhausen und Dornach.
Zunächst der ausführliche Bericht von Ltn. Killian:
"Die Brigade Mathy setzte sich zusammen aus: LIR (Landwehr Infanterie Regiment) 40 und LIR 110, der Feldbatterie Heeres (FAR 76), einer schweren Haubitzbatterie unter Hptm. Lenz sowie einer Schwadron Dragoner 14. Man marschierte also am 18.08.1914 wieder „durch den verhassten Hardtwald auf seinen langen, schnurgeraden Schneisen zwischen ausgedörrtem Gestrüpp“ und besetzt am Abend kampflos den Schoffberg nördlich Zimmersheim. Der Befehl der Armeeabteilung Gaede für den folgenden Tag lautete: Vom Schoffenberg nach Mülhausen hinabzusteigen, mitten durch die Stadt zu marschieren und über Dornach – Niedermorschweiler (Anm.: heute: Morschwiller le Bas) nach Heimsbrunn vorzugehen.
Am 19.08. um 6:30h trat die Truppe an. Es ging durch eine Art Hohlweg hinab zur Stadt Mülhausen. Der General lies vor dem Einmarsch in die Stadt die Kinnketten der Helme herunter nehmen und das Bajonett aufpflanzen. Man hatte keine Meldungen über den Gegner. Die ausgesandten Reiterpatrouillen blieben aus, offenbar abgefangen oder zusammen geschossen worden. Die Vorhutkompanie wurde in zwei Kolonnen aufgeteilt, welche rechts und links der Strasse auf den Bürgersteigen durch die Stadt zogen. Die Männer mussten jeweils auf die gegenüber liegenden Fenster achten, denn es wurde damals viel aus Häusern geschossen. Die Spannung wuchs. Man marschierte am Hauptbahnhof vorbei, passierte die Kanalbrücke, dann die großen Hotels und bog schließlich in die Dornacherstrasse ein, jeden Moment auf Überraschungen gefasst. Aber nichts geschah!
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Teil 5: Brigade Dame bei Flaxlanden
Der mittlere Flügel, die 55. deutsche Ersatzbrigade unter General Dame bestand aus 6 Ersatz-Bataillone (55, 56, 57, 82, 83), dem LIR 119, zwei Schwadronen Kavallerie und 6 Feldbatterien darunter die Landwehr Batterie 66.
Auf französischer Seite marschierte am 19. August 1914 die 66. Reserve-Division unter dem Kommandeur General Sauzède über Balschweiler, Enschingen, Niederspechbach in Richtung Brunstatt. Die Division bestand aus den Infanteriebrigaden 131 (280, 281 und 296 R.I.) und 132 (213, 215 und 303 R.I.).
Die Brigade Dame hatte den Auftrag, über die Ill in Richtung Galfingen vorzustoßen und dabei die Ill-Übergänge bei Zillisheim und Brunstatt zu besetzen.
Am 18. August 1914 standen die Truppen im Raum um Landser und marschierten am folgenden Tag westwärts. Die verfügbaren Reiter wurden vorgeschickt, um die Brücken bei Zillisheim und Brunstatt rasch in die Hand zu bekommen. Als gegen 8 Uhr morgens französische Schwadronen sich dem Ort Zillisheim näherten, prasselte ihnen gut gezieltes Schützenfeuer entgegen. Unter hohen Verlusten jagten sie zurück. Die Franzosen mussten nun den Weg über Fröningen und Didenheim nehmen, um zum Ill-Übergang bei Brunstatt zu gelangen. Aber auch hier kamen die französischen Schwadronen zu spät. Abgesessene Kavallerie und Infanteristen der rechten Kolonne des Generals Dame hatten sich hinter der Friedhofmauer des Ortes und um einen Hohlweg festgesetzt. Sie ließen die französischen Reiter ruhig herankommen, um sie dann plötzlich mit einem Feuerüberfall zu fassen. In wenigen Sekunden wälzten sich an die 30 Männer und Pferde am Boden, darunter auch der Oberst Touvet.
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Teil 7: Zwei weitere Berichte über das Gefecht bei Tagsdorf am 19. August 1914.
Der erste Artikel wurde in der "Illustrierte Geschichte des Weltkrieges 1914", Heft 19, veröffentlicht:
"Ein Todesritt afrikanischer Jäger im Oberelsaβ.
Am 20. August (Anm.: Druck- bzw. Schreibfehler. Das Gefecht fand am 19. August statt) kam, so berichtet ein Teilnehmer in der "Frankfurter Zeitung", der Befehl an ein Bataillon eines Landwehrregiments, das sich schon seit Tagen mit den in den Sundgau vordringenden Franzosen schlug, gegen Tagsdorf vorzugehen. Während einiger Tage versuchten zwei französische Armeekorps gegen Mülhausen vorzudringen. Diesen starken Kräften standen nur geringe deutsche Landwehrtruppen auf der linken Rheinseite gegenüber. Die Verteidigung muβte zudem noch auf die unglaublich lange Front von Pfirt (am Südende des Elsaβ) bis Mülhausen verteilt werden. Wie über alles Erwarten gut sich diese alten Soldaten geschlagen haben, wurde bereits berichtet, auch daβ sie ihre Aufgabe glänzend gelöst haben.
Weiterlesen: Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Tagsdorf, 19. August 1914
Die Gefechte bei Brückensweiler (heute Bréchaumont), Friesen, und Willern (heute Romagny) am 13. August 1914.
Nach der ersten Schlacht bei Mülhausen (9./10. August) wurden die nach Belfort abziehenden französischen Truppen bis an die damalige Grenze verfolgt. Dabei kam es entlang der ehemaligen Grenze zu verschiedenen Zusammenstößen. Nach einem Ruhetag in Mülhausen wurde die verstärkte 55. Infanterie-Brigade (Grenadier-Regiment 109 und 110) mit der Verfolgung beauftragt. Wieder war es ein sehr heisser Sommertag als die Truppen gegen Niederspechbach (heute: Spechbach le Bas) marschierten.
Weiterlesen: Die Gefechte bei Brückensweiler, Friesen und Willern, 13. August 1914
Kriegs–Tagebuch des Einjährig - Freiwilligen im 2. Badischen Grenadier Regiment Kaiser Wilhelm I. N°. 110 (II. Bataillon Heidelberg) Josef Uhrmacher, stud. germ. aus Godesberg. Weltkrieg 1914/15 (31. Juli – 2. September 1914).
Durch einen glücklichen Umstand sind wir in den Besitz dieser 11-seitigen Aufzeichnung gelangt. Das Tagebuch beginnt am 31. Juli 1914 in der Kaserne in Heidelberg. Weiter wird die Fahrt an die Front über Schwetzingen, Karlsruhe nach Denzlingen beschrieben. Dann der Vormarsch über Ihringen, Breisach, Ensisheim bis vor Mülhausen. Teilnahme an der ersten Schlacht um Mülhausen am 9. August 1914. Nach dem Gefecht Weitermarsch über Dornach, Niederspechbach, Dammerkirch, Willern bis Chavannes. Hier kam es am 13. August zu einem weiteren Gefecht. Dann wurde das Regiment abgelöst und zog sich über Ballersdorf, Altkirch, Illfurt, Brunstadt, Mülhausen, Eichwald, und Neuenburg nach Müllheim zurück. Das Regiment kam danach bei Arzweiler – Saarburg und im Meurthetal zum Einsatz. Am 27. August wurde der Verfasser verletzt, und es ging in einer abenteuerlichen Fahrt zurück in die Heimat. Offensichtlich hatte er dort die Möglichkeit und die Zeit, das Erlebte mit der Maschine zu Papier zu bringen. Bilder und Fußnoten wurden von uns eingefügt.
Ausschnitt des Original Dokuments. Die Seiten haben noch nicht das heute übliche A4 Format, sondern eine Größe von 21 x 33 cm.
Weiterlesen: Die erste Schlacht bei Mülhausen - aus einem Kriegstagebuch, 9. und 10. August 1914
Teil 1: Der Vormarsch auf Mülhausen, 08./09. August 1914
Nach dem ersten Vorstoß der Franzosen Richtung Mülhausen Anfang August 1914, wurden auf deutscher Seite diverse Einheiten in Marsch gesetzt. Zunächst fuhren die Truppen mit der Bahn zu den Sammelplätzen um Neubreisach (heute Neuf-Brisach) und Colmar, um dann Richtung Mülhausen zu marschieren. Es war Hochsommer, es herrschte eine unglaubliche Hitze. Für die Truppen, die zum Teil aus neu eingekleideten Reservisten bestand, wurde der Marsch zur Qual.
Über diese Strapazen existieren in den Regimentsgeschichten einige Schilderungen, welche wir nachfolgend auszugsweise wiedergeben werden:
Weiterlesen: Die erste Schlacht bei Mülhausen, 9. und 10. August 1914
Bericht von Leutnant d.R. Winfried Katterfeld, Infanterie-Regiment 142:
Die den Grenzschutz ausübenden Truppen sicherten durch Vorposten die wichtigsten Straßen und Wege nach Frankreich hin. Starke und zahlreiche Patrouillen klärten das Gelände vor der Sicherungskette bis zur Grenze auf.
"Hinter der vordersten Sicherungslinie der Kavallerie hatten die einzelnen Kompanien Aufstellung genommen, von Altkirch über Burnhaupt - Exbrücke (Anm.: heute Pont d'Aspach) bis tief in das Dollertal hinein. Es galt, französischen Aufklärungsabteilungen den Einblick zu wehren, damit sich weiter hinten der Aufmarsch der Kameraden in Ordnung vollziehen konnte. Soweit es der Wachdienst erlaubte, ließen es unsere Leute in den schönen, wohlhabenden Dörfern sich gut sein, als ob es Manöverrasttage wären. Am besten hatten es wohl unsere 4./142, die etwas weiter zurück im alten Trappistenkloster Ölenberg (Anm.: heute Abbay d‘Oelenberg) untergebracht und verpflegt wurde. Noch wussten wir nichts Bestimmtes, ob es richtig losgehen sollte, oder ob die Diplomaten noch einmal einen notdürftigen Frieden zusammenleimen würden.
Da kam am Abend des 5. August der Befehl: „Sofort marschbereit halten!“. Die Kompanie rückte auf Leiterwagen nach Niedersulzbach (Anm.: heute Soppe le Bas), wo, wie man uns sagte, ein Jägerposten angeschossen worden war. Der gleich an der Grenze gelegene Ort wurde besetzt. Am folgenden Tage gab es Patrouillen bis an das Zollhaus, von wo man weit nach Frankreich hineinsehen konnte. Wir hatten noch einen kleinen Zusammenstoß mit einer französischen Abteilung und dabei den ersten Verwundeten des Regiments. Aber die Franzosen rissen aus, das war die Hauptsache, und schossen miserabel schlecht!
Anfang August beim Badischen Feldartillerie Regiment Nr. 76
Das Gefecht bei Altkirch – Erste Artillerieschüsse an der Westfront - Fassbier aus Walheim – Altkirch Feier – Bericht eines Oberleutnants über das Gefecht bei Altkirch
Die Garnison des Regiments befand sich in der Hugstetter Straße in Freiburg. Bei der Mobilmachung ging es in der Kaserne lebhaft zu. Eine Anhäufung von Pferden war unvermeidlich, was zur Folge hatte, dass sie trotz Regens Tag und Nacht draußen auf den offenen Reitplätzen stehen mussten. Nicht minder machte sich dieser Übelstand bemerkbar bei den zahlreich eintreffenden Ersatzmannschaften, die nicht alle in der Kaserne unterkommen konnten. Es war notwendig, die einzelnen Formationen, die das Regiment aufstellte, mit Mann und Pferd auf einzelne in der Nähe der Garnison liegende Orte zu verteilen und einzuquartieren und dort die Mobilmachung zu vollenden.
Der Regimentskommandeur, Oberst v. Ostrowski
Weiterlesen: Die ersten Artillerieschüsse im ersten Weltkrieg: Altkirch, 7. August 1914
Die ersten Tage im August 1914
Teil 1: Auszüge aus der Reg.Gesch. des 4. Badischen Inf. Regiments "Prinz Wilhelm" Nr. 112
Der Befehl zur Mobilmachung erreicht die Garnison Mülhausen, und das dort liegende 4. Badische Infanterie–Regiment „Prinz Wilhelm“ Nr. 112, im folgenden „IR 112“ genannt, am 1. August 1914 um 17:00 Uhr. Der erste Mobilmachungstag ist für den Folgetag festgelegt. Schon einen Tag davor war Probemobilmachung der ganzen Garnison, Kriegsgarnituren wurden ausgegeben sowie eine „Erklärung des Zustandes der drohenden Kriegsgefahr“. Vorbereitende Massnahmen für den Grenz- und Bahnhofschutz im Frieden treten in Kraft, Urlauber werden zurückgerufen, Wachkommandos werden an den Bahnhöfen, Brücken, Post, Telephonamt und Aviatikschuppen aufgestellt. Für das IR 112, welches seit dem 29. Juli 1914 in der Garnison liegt, ist eine Mobilmachungsstärke von 66 Offizieren, 3159 Mannschaften und 183 Pferden vorgeschrieben.
Fieberhafte Tätigkeit herrscht in der Garnison, um das Regiment kriegsbereit zu machen. Zur Bespannung der Fahrzeuge werden die benötigten Pferde ausgehoben. Die ersten Reservisten rücken unter Gesang der Wacht am Rhein in die Kaserne ein, Gerüchte über den Anmarsch der Franzosen schwirren umher. Da wird das Regiment abends um 10:30 alarmiert. Die grosse Bagage rückt nach der Napoleonsinsel aus, kehrt aber am anderen Morgen wieder in die Kaserne zurück.
Ein ernster Vorfall ereignete sich schon am 2. August nahe der Grenze zur Schweiz. Eine deutsche berittene Patrouille überschritt die französische Grenze und sollte gegen Delle aufklären. Bei Joncherey traf die Patrouille auf einen französischen Vorposten. Es kam zum Schusswechsel, wobei Caporal Peugeot und Leutnant Mayer ihr Leben verloren. Es waren dies die ersten Toten, in dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht erklärten Krieg.
1. Die Vorbereitungen
Vorbereitung zum Sturm auf das Schönholz am 22. Februar 1916
Das Schönholz, südlich Enschingen-Brünighofen (heute St. Bernard) am Rhein-Rhone Kanal gelegen, war einer der Brennpunkte an der Front im Sundgau. Mit einer markanten Haarnadelkurve trennte die Straße, die von Niederspechbach nach Aspach führt, die Kontrahenten. Zwischen den Waldrändern, hinter denen sich die Gegner verschanzt hatten, lag ein Streifen Ödland, welcher nach Westen anstieg. Somit lag das Schönholz etwas erhöht und beherrschte das Largtal.
Die Wiese vor dem Schönholz damals und heute:
Da die erhöhte Lage Vorteile bot, wurde die Wegnahme der im Schönholz nach Osten vorspringenden Kuppe geplant.