Kloster Ölenberg, Reiningue - Abbaye d‘Oelenberg
(aus den persönlichen Aufzeichnungen eines Kriegsteilnehmers):

"Es war im November 1914, als wir auf dem Marsch von Mülhausen nach Burzweiler die ersten langen Massengräber sahen. Der Herbst hatte seine Harfe schon sehr ernst gestimmt. Von den Vogesen pfiff ein rauer Wind. Die Vögel in den Büschen wollten nicht mehr singen. Und wir lasen auf einem schmucken Schild, von Astern in allen Farben umgeben: „Hier ruhen 46 Franzosen und 4 Deutsche.“ Nicht weit davon lag die Ruhestätte eines Dragoners. Kameraden hatten am oberen Ende des Grabes die Lanze des Gefallenen aufgepflanzt und einen Blumenstrauß daran gehängt.

Auch bei dem Dorf Reiningen, das in den Augusttagen 1914 besonders heftige Artilleriekämpfe durchgemacht hat, sahen wir Massengräber, die stillen Gärten gleichen. Und wie feierlich rauschten die alten Bäume über dem kleinen Friedhof des Klosters Ölenberg, wo deutsche Soldaten unter schlichten Holzkreuzen neben den Trappistenbrüdern ruhen. Das Kloster selbst war damals von den Franzosen noch nicht unter Feuer genommen worden. War es die Ehrfurcht vor der fast tausendjährigen Geschichte des Klosters, oder wollten die Franzosen den Wohlstand der Anlage schonen, weil sie hofften, ihr bald einen französischen Supérieur als Leiter bestellen zu können? (...)

Lange hat Ölenberg sich des Friedens allerdings nicht erfreuen dürfen. Heute schauen des Himmels Wolken durch das zerschossene Dach in die verlassenen Räume des Klosters. Die Mauern der Wohn- und Schlafsäle klaffen weit, auf dem Altar der neuen Kirche liegt der Schutt des kunstvollen Gewölbes, das ihn schützte, und die Orgel ist von einer schweren Granate in einen großen Haufen gespaltenen Holzes verwandelt. Brandbomben haben viele wertvolle Schätze der Bücherei vernichtet, bevor sie in Sicherheit gebracht werden konnten; und die Holzkreuze auf dem Friedhof wurden von den stürzenden Steinen erdrückt.

Nun gleicht das Kloster einem Trümmerfeld, und seine Mauerreste ragen in die Luft gleich stummen Anklagen wider solche Freveltat. Die toten Helden aber ruhen still in ihrer Gruft."