In einem alten Buch, welches wir kürzlich antiquarisch erwerben konnten, befindet sich der Bericht des Bürgers M. Kastler aus Sulzern (heute: Soultzeren). In dem Bericht beschreibt er den Kriegsbeginn im Münstertal und die Ereignisse in Sulzern, bis zu seiner Evakuierung nach Gerardmer im April 1915.
Unter anderem berichtet er von einem Artillerie-Angriff am 25. März 1915 auf das Dorf, bei dem es drei Tote gab. Auch schreibt er, dass die brennenden Häuser in dieser Zeit nicht mehr gelöscht wurden.
Obwohl sich diese Ereignisse nicht im Sundgau abspielten, möchten wir den Text hier aufnehmen, da es sich u. E. um ein wertvolles historisches Dokument handelt. Insbesondere könnten wir uns vorstellen, dass dieser Bericht für historisch interessierte Einwohner von Soultzeren von Bedeutung sein kann. Die Bilder wurden aus unserem Archiv beigefügt.
Die in dem Bericht vorkommenden Personennamen Schmidt–Magey, Rohner und Graff sind im aktuellen Telefonbuch von Soultzeren noch heute vorhanden.
Aus dem Vorwort des Verfassers:
"Eines Tages führte mich der Zufall mit einem Sulzerner Bürger zusammen, der das Schicksal seines Heimatstädtchens während der ersten Kriegsmonate in einem Tagebuch aufgezeichnet hatte. Der Verfasser der Handschrift, Herr M. Kastler, hat früher sicher nie daran gedacht, sich einmal als Kriegsschriftsteller zu betätigen. Aber seine Schilderungen zeugen von solcher Frische und Farbigkeit der Anschauungen, dass ich dem Wunsche des Verfassers, das Wesentliche seines Tagebuches in meine Kriegserinnerungen aufzunehmen, gerne nachgekommen bin. Von kleinen Änderungen abgesehen, ist der Stil der Urschrift fast durchweg beibehalten.":
Eine Beschreibung aus den Erinnerungsblätter des Königlich-Bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 3 von 1925.
Das Regiment war u.a. in den Vogesen und kurze Zeit auch bei Bisel im Einsatz.
"Wer vom Münsterplatz in Breisach über den Rhein hinweg, der zu seinen Füβen rauscht, gegen Westen blickt, vor dessen Augen dehnt sich eine langgestreckte bewaldete Gebirgslandschaft, die Vogesen. Dieser Name allein schon bekundet unsere Einstellung allem Fremden gegenüber. Ursprünglich trugen die Waldberge den Namen Wasgenwald und der ganze Landstrich hieß Wasgau. Der Franzose gab dem Wasgenwald nach dem Dreißigjährigen Krieg den Namen Vosges und seitdem heißen wir den Gebirgszug Vogesen.
Im Innern der Waldberge sieht es etwas anders aus; die Sonnenhänge tragen statt der Wälder grüne Matten und sind bestreut mit zahlreichen Einzelhöfen, den Fermen, deren Bewohner in der Hauptsache von Viehwirtschaft leben. Je höher hinauf, desto würziger sind die Kräuter der Matten, desto besser die Milch und desto gesuchter der Käse. Dieser bildet die Hauptausfuhr und trägt auch auβerhalb des Münstertals den Namen Münsterkäse. Der Käseumsatz ist bedeutend, betrug er doch im kleinen Urbeis (Anm.: heute Orbey) im Jahresdurchschnitt 2 Millionen Mark.
Weiterlesen: Land und Leute im Elsaβ - aus den Erinnerungsblättern des kgl. bayr. Landwehr-IR 3
Die ersten Tage im August 1914
Teil 1: Auszüge aus der Reg.Gesch. des 4. Badischen Inf. Regiments "Prinz Wilhelm" Nr. 112
Der Befehl zur Mobilmachung erreicht die Garnison Mülhausen, und das dort liegende 4. Badische Infanterie–Regiment „Prinz Wilhelm“ Nr. 112, im folgenden „IR 112“ genannt, am 1. August 1914 um 17:00 Uhr. Der erste Mobilmachungstag ist für den Folgetag festgelegt. Schon einen Tag davor war Probemobilmachung der ganzen Garnison, Kriegsgarnituren wurden ausgegeben sowie eine „Erklärung des Zustandes der drohenden Kriegsgefahr“. Vorbereitende Massnahmen für den Grenz- und Bahnhofschutz im Frieden treten in Kraft, Urlauber werden zurückgerufen, Wachkommandos werden an den Bahnhöfen, Brücken, Post, Telephonamt und Aviatikschuppen aufgestellt. Für das IR 112, welches seit dem 29. Juli 1914 in der Garnison liegt, ist eine Mobilmachungsstärke von 66 Offizieren, 3159 Mannschaften und 183 Pferden vorgeschrieben.
Fieberhafte Tätigkeit herrscht in der Garnison, um das Regiment kriegsbereit zu machen. Zur Bespannung der Fahrzeuge werden die benötigten Pferde ausgehoben. Die ersten Reservisten rücken unter Gesang der Wacht am Rhein in die Kaserne ein, Gerüchte über den Anmarsch der Franzosen schwirren umher. Da wird das Regiment abends um 10:30 alarmiert. Die grosse Bagage rückt nach der Napoleonsinsel aus, kehrt aber am anderen Morgen wieder in die Kaserne zurück.
Ein ernster Vorfall ereignete sich schon am 2. August nahe der Grenze zur Schweiz. Eine deutsche berittene Patrouille überschritt die französische Grenze und sollte gegen Delle aufklären. Bei Joncherey traf die Patrouille auf einen französischen Vorposten. Es kam zum Schusswechsel, wobei Caporal Peugeot und Leutnant Mayer ihr Leben verloren. Es waren dies die ersten Toten, in dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht erklärten Krieg.

Bericht von Leutnant d.R. Winfried Katterfeld, Infanterie-Regiment 142:
Die den Grenzschutz ausübenden Truppen sicherten durch Vorposten die wichtigsten Straßen und Wege nach Frankreich hin. Starke und zahlreiche Patrouillen klärten das Gelände vor der Sicherungskette bis zur Grenze auf.
"Hinter der vordersten Sicherungslinie der Kavallerie hatten die einzelnen Kompanien Aufstellung genommen, von Altkirch über Burnhaupt - Exbrücke (Anm.: heute Pont d'Aspach) bis tief in das Dollertal hinein. Es galt, französischen Aufklärungsabteilungen den Einblick zu wehren, damit sich weiter hinten der Aufmarsch der Kameraden in Ordnung vollziehen konnte. Soweit es der Wachdienst erlaubte, ließen es unsere Leute in den schönen, wohlhabenden Dörfern sich gut sein, als ob es Manöverrasttage wären. Am besten hatten es wohl unsere 4./142, die etwas weiter zurück im alten Trappistenkloster Ölenberg (Anm.: heute Abbay d‘Oelenberg) untergebracht und verpflegt wurde. Noch wussten wir nichts Bestimmtes, ob es richtig losgehen sollte, oder ob die Diplomaten noch einmal einen notdürftigen Frieden zusammenleimen würden.

Da kam am Abend des 5. August der Befehl: „Sofort marschbereit halten!“. Die Kompanie rückte auf Leiterwagen nach Niedersulzbach (Anm.: heute Soppe le Bas), wo, wie man uns sagte, ein Jägerposten angeschossen worden war. Der gleich an der Grenze gelegene Ort wurde besetzt. Am folgenden Tage gab es Patrouillen bis an das Zollhaus, von wo man weit nach Frankreich hineinsehen konnte. Wir hatten noch einen kleinen Zusammenstoß mit einer französischen Abteilung und dabei den ersten Verwundeten des Regiments. Aber die Franzosen rissen aus, das war die Hauptsache, und schossen miserabel schlecht!
In den "Baselbieter Heimatblätter" vom September 1954 fanden wir einen interessanten Artikel von Dr. H. Stohler aus Basel. Er berichtet über den Schweizer Wachtposten an der Landesgrenze zwischen Oberwil und Neuweiler und wie diese Postenstellung zu ihrem merkwürdigen Namen kam:
"Es war im ersten Weltkrieg, als im August 1914 der Donner der Kanonen aus den Schlachten um Mülhausen die Grenzbevölkerung in Atem hielt. Da zog unser Bataillon 53 im Eilmarsch aus dem oberen Baselbiet ins bedrohte Leimental hinab und löste in finsterer nacht die Landsturmsoldaten ab, die längs der Schweizer Grenze rote Fähnchen angebracht hatten, aber für eine wirksame Abwehr viel zu schwach an Zahl waren. Rasch verteilten sich unsere Mannschaften auf die zugewiesenen Grenzabschnitte, organisierten einen scharfen Wachdienst und hoben tiefe Schützengräben aus.
Dabei war von besonderer militärischer Wichtigkeit der oben erwähnte einsame Grenzübergang zwischen Oberwil und Neuweiler. Man schickte daher eine ganze Kompagnie dort hinauf, die den Weg und das anschließende freie Gelände mit Wall und Graben sperrte und im dahinter liegenden Wald ein gegen Fliegersicht geschütztes Lager baute.

In den ersten Kriegswochen glaubte jedermann bestimmt, dass die Kämpfe bei der modernen Waffenwirkung unmöglich lange andauern könnten. Die Soldaten hatten frohen Mut und hofften, bis Ende Oktober heimkehren zu können. Noch nicht durch den eintönigen Dienstbetrieb abgestumpft, freuten sie sich daran, das Soldatenleben zu verschönern und Herz und Gemüt mitsprechen zu lassen.
Weiterlesen: Das "Negerdorf" - Der Schweizer Grenzposten zwischen Oberwil und Neuweiler
Die Burgundische Pforte
Die Gegend zwischen Mülhausen, Basel, Montbéliard und Belfort ist eine breite Senke, die durch die südlichen Ausläufer der Vogesen und die Nordhänge der Juraketten gebildet wird. In diesem Viereck verläuft zwischen Mülhausen und Montbéliard diagonal der Rhone-Rheinkanal. Die alte deutsch-französische Grenze bezeichnet ungefähr die Wasserscheide und Sprachgrenze.
Zwischen Vogesen und Mont-Terrible ist die Lücke rund 45 km breit; 13 davon liegen indessen auf Schweizer Gebiet (Ajoie). Für einen gross angelegten Angriff ist das kupierte und bewaldete Gelände zu schmal, dagegen eignet es sich vorzüglich für die Verteidigung. In diesem Schlauch kann eine Armee nur dann manövrieren, wenn sie die ihn beherrschenden Höhen besitzt, d. h. die südlichen Zipfel der Vogesen und die berühmte Stellung von Les Rangiers auf der Kette des Mont-Terrible.
Die Zugänge waren schon vor dem Weltkrieg gesperrt, und zwar im Westen durch Belfort und die dazugehörenden Befestigungen, die beiden Sperrwerke von La Chaux und Mont-Bard um Montbéliard und das Fort Lomont auf dem gleichnamigen Höhenzug; im Osten durch den Isteiner Klotz, die Brückenköpfe von Hüningen und Eichwald–Neuenburg, gegenüber Mülhausen.

In allen Zeiten war die „Gallische Pforte“ der natürliche Weg für Völkerwanderungen; als große Durchzugsstrasse hat sie unzähligen Heeren als Kriegsschauplatz gedient.
Marsch des LJR 81 von Sirenz in Richtung Altkirch.
Weiterlesen: Die burgundische Pforte und der Marsch des LJR 81 nach Altkirch, 1914
Anfang August beim Badischen Feldartillerie Regiment Nr. 76
Das Gefecht bei Altkirch – Erste Artillerieschüsse an der Westfront - Fassbier aus Walheim – Altkirch Feier – Bericht eines Oberleutnants über das Gefecht bei Altkirch
Die Garnison des Regiments befand sich in der Hugstetter Straße in Freiburg. Bei der Mobilmachung ging es in der Kaserne lebhaft zu. Eine Anhäufung von Pferden war unvermeidlich, was zur Folge hatte, dass sie trotz Regens Tag und Nacht draußen auf den offenen Reitplätzen stehen mussten. Nicht minder machte sich dieser Übelstand bemerkbar bei den zahlreich eintreffenden Ersatzmannschaften, die nicht alle in der Kaserne unterkommen konnten. Es war notwendig, die einzelnen Formationen, die das Regiment aufstellte, mit Mann und Pferd auf einzelne in der Nähe der Garnison liegende Orte zu verteilen und einzuquartieren und dort die Mobilmachung zu vollenden.

Der Regimentskommandeur, Oberst v. Ostrowski
Weiterlesen: Die ersten Artillerieschüsse im ersten Weltkrieg: Altkirch, 7. August 1914
Teil 1: Der Vormarsch auf Mülhausen, 08./09. August 1914
Nach dem ersten Vorstoß der Franzosen Richtung Mülhausen Anfang August 1914, wurden auf deutscher Seite diverse Einheiten in Marsch gesetzt. Zunächst fuhren die Truppen mit der Bahn zu den Sammelplätzen um Neubreisach (heute Neuf-Brisach) und Colmar, um dann Richtung Mülhausen zu marschieren. Es war Hochsommer, es herrschte eine unglaubliche Hitze. Für die Truppen, die zum Teil aus neu eingekleideten Reservisten bestand, wurde der Marsch zur Qual.

Über diese Strapazen existieren in den Regimentsgeschichten einige Schilderungen, welche wir nachfolgend auszugsweise wiedergeben werden:
Weiterlesen: Die erste Schlacht bei Mülhausen, 9. und 10. August 1914
Kriegs–Tagebuch des Einjährig - Freiwilligen im 2. Badischen Grenadier Regiment Kaiser Wilhelm I. N°. 110 (II. Bataillon Heidelberg) Josef Uhrmacher, stud. germ. aus Godesberg. Weltkrieg 1914/15 (31. Juli – 2. September 1914).
Durch einen glücklichen Umstand sind wir in den Besitz dieser 11-seitigen Aufzeichnung gelangt. Das Tagebuch beginnt am 31. Juli 1914 in der Kaserne in Heidelberg. Weiter wird die Fahrt an die Front über Schwetzingen, Karlsruhe nach Denzlingen beschrieben. Dann der Vormarsch über Ihringen, Breisach, Ensisheim bis vor Mülhausen. Teilnahme an der ersten Schlacht um Mülhausen am 9. August 1914. Nach dem Gefecht Weitermarsch über Dornach, Niederspechbach, Dammerkirch, Willern bis Chavannes. Hier kam es am 13. August zu einem weiteren Gefecht. Dann wurde das Regiment abgelöst und zog sich über Ballersdorf, Altkirch, Illfurt, Brunstadt, Mülhausen, Eichwald, und Neuenburg nach Müllheim zurück. Das Regiment kam danach bei Arzweiler – Saarburg und im Meurthetal zum Einsatz. Am 27. August wurde der Verfasser verletzt, und es ging in einer abenteuerlichen Fahrt zurück in die Heimat. Offensichtlich hatte er dort die Möglichkeit und die Zeit, das Erlebte mit der Maschine zu Papier zu bringen. Bilder und Fußnoten wurden von uns eingefügt.

Ausschnitt des Original Dokuments. Die Seiten haben noch nicht das heute übliche A4 Format, sondern eine Größe von 21 x 33 cm.
Weiterlesen: Die erste Schlacht bei Mülhausen - aus einem Kriegstagebuch, 9. und 10. August 1914
Die Gefechte bei Brückensweiler (heute Bréchaumont), Friesen, und Willern (heute Romagny) am 13. August 1914.
Nach der ersten Schlacht bei Mülhausen (9./10. August) wurden die nach Belfort abziehenden französischen Truppen bis an die damalige Grenze verfolgt. Dabei kam es entlang der ehemaligen Grenze zu verschiedenen Zusammenstößen. Nach einem Ruhetag in Mülhausen wurde die verstärkte 55. Infanterie-Brigade (Grenadier-Regiment 109 und 110) mit der Verfolgung beauftragt. Wieder war es ein sehr heisser Sommertag als die Truppen gegen Niederspechbach (heute: Spechbach le Bas) marschierten.

Weiterlesen: Die Gefechte bei Brückensweiler, Friesen und Willern, 13. August 1914
Von Stabsarzt d.R. Dr. Gerhard Schumacher, Regimentsarzt des 1. Badischen Leib- Grenadier Regiments 109.
"Heiss war der Marsch von Riegel nach Altbreisach, einige Füsse sind zu verbinden, kurz ist die Ruhe der Nacht, im Morgendämmern des 9. August 1914 liegt Breisach schon hinter dem Regiment. Kilometer reiht sich an Kilometer, oben drückt die Rüstung, unten der neue Stiefel; um Mittag gibt ein wenig Suppe aus den mühsam herangezogenen Feldküchen neue Kraft; doch Staub und Sonne, schattenarme Strassen, das unermüdliche Vorwärts, das trocknet den Gaumen; ein schnell geschöpfter Trunk aus bereitgestellten Eimern belebt für kurze Zeit, doch langsam senkt sich manch Grenadierkinn, das Riemenzeug beengt die Brust, der schwere, dichte, neue feldgraue Stoff lässt die Wärme, die der Körper beim Marschieren entwickelt, nicht durch, auch das Öffnen von Kragen und den "obersten drei Knöpfen" hilft nicht viel; dazu lässt auch der Helm nicht genügend Luft an den erhitzten Kopf gelangen, und er kann bei der Augustsonne nur in den spärlichen Schattenstellen abgenommen werden. Die Füsse schmerzen, der Atem wird flacher; obwohl Bauernwagen Tornister fahren, und trotz aufmunternder und harter Worte sinkt manch einer ermattet zusammen. Die Strassengräben füllen sich bedenklich mit blassen Grenadieren, und kaum zwei Drittel der Truppe treffen nach 50 Km langem Marsch vor Wittenheim ein.
- Gefangenschaft - Die Odyssee des Josef Zerrle von der 1./LIR Nr. 3
- Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Prolog, 19. August 1914
- Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Dornach, 19. August 1914
- Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Flaxlanden, 19. August 1914
- Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Tagsdorf, 19. August 1914
- Die zweite Schlacht bei Mülhausen - Brigade von Bodungen bei Tagsdorf, 19. August 1914
- Minenwerfer
- Das Hospital Hasenrain in Mülhausen, August 1914
- Altkirch, ein Stimmungsbild, Herbst 1914
- Kriegsgräber, November 1914