
Österreich, Drama, 1915 bis 1922. Karl Kraus, der vielleicht wuchtigste, schärfste und polemischste Kritiker gegen alles Heuchlerische und Eigennützige seiner Zeit und dessen Vertreter, lieferte nach dem Ende der Zensur 1918 ein Theaterstück ab, das als "Tragödie in 5 Akten mit Vorspiel und Epilog" in 220 unterschiedlich langen Szenen ein wahrhaftes Trommelfeuer ätzender Kritik und Anklage auf alle Ebenen der Kriegsmaschinerie, vom Schlachtfeld bis zum Schlachtenlenker, vom Soldaten zum Kriegsgewinnler, von der Hure bis zum Papst herabregnen lässt. Ein gewaltiges künstlerisches Werk, daß nicht nur Fiktion mit tatsächlichen Zitaten und Dokumenten vermengt, sondern die für Kraus so typische Personifizierung allumfassender Kritik bis zur Unspielbarkeit auf die Spitze treibt.
Wer die Wortgewaltigkeit des Karl Kraus erleben möchte, dem sei hier das Ton- und Filmdokument "Reklamefahrten zur Hölle" empfohlen, in der er die Nachkriegs-Touristenfahren auf das Schlachtfeld von Verdun geißelt.